#MirafloresEnTuCorazon – Instagramer in Lima fotografieren Miraflores

Instagram LimaDie Welt betrachten durch die Brille von Fotografen, die ihre Aufnahmen bei Instagram veröffentlich – immer nett. Grund: Instagramer sind zumeist jung, neuen Dingen aufgeschlossen, neugierig. Sie zeigen ihre Welt spontan und unverfälscht – natürlich abgesehen von den visuellen Filtern, mit denen man bei Instagram seine Fotos auf dem Smartphone bearbeiten kann bevor man sie veröffentlicht.

Jedenfalls gibt es in Perú Instagramer und zwar offenbar so viele, dass man sogar einen Aufruf starten kann, die Instagramer sollen einen bestimmten Stadtteil fotografieren und die Aufnahmen zusammen mit einem bestimmten Hashtag veröffentlichen. Aus den Arbeiten macht man dann eine Ausstellung. Weiterlesen

Sonidos del Perú: Miki González – vom Kokarock zu Loungesounds und zurück.

Miki González61 Jahre ist der peruanische Musiker Miki González mittlerweile alt und offenbar immer auf der Suche nach neuen Sounds. Vor ein paar Tagen hat er ein neues Video vorgestellt, mit dem er zurück auf Anfang geht.

Begonnen hat der in Spanien geborene Sänger und Guitarrist als Blues- und Rocksänger in verschiedenen Bands in den 80ern. Der Stil wird beschrieben als eine Mischung aus Rock, afrikanischer Rhythmik und Andenkultur. Immer wieder hat er sich dabei mit der Zensur angelegt. Aufführungsverbote und Boykotte durch die Medien folgten. Höhepunkt dieser Zeit war seine Hymne an den Kokainstrauch Hoja Verde de la Coca – Grünes Blatt des Kokain. Weiterlesen

Aktuell verfügbare Eisenbahnstrecken in Perú

Wer in Perú ein durchgängiges Eisenbahnsystem erwartet, wie man es aus Europa kennt, der dürfte enttäuscht sein: derartiges existiert nur in Fragmenten. Im Grunde gibt es noch zwei Strecken, die Personen auf einer längeren Strecke befördern, eine von Lima aus in die Anden und die andere verbindet die Touristenzentren Machu Picchu, Cuzco und den Titicacasee. Trotzdem: Eisenbahnfahren ist in Perú sicher ein Erlebnis, dass so nirgendwo auf der Welt geboten wird – die Andenrouten sind extrem spektakulär.

Komplizierte Topografie
Perú ist ein Land mit grandiosem topografischen Profil: von der Küste binnen 150 Kilometern ins Andenhochland mit 6.000er Gipfeln, dann das Amazonasbecken. Für den Touristen ist das eine interessante Mischung mit einem hohen Potenzial an staunenswerten Landschaften. Für die verkehrliche Infrastruktur eines armen Landes stellt das aber natürlich eine enorme Herausforderung dar. Dieser Aufgabe ist Perú bis heute noch nicht wirklich gerecht geworden, weder mit einem durchgängig sicher befahrbarem Fernstraßensystem und schon gar nicht mit einem flächendeckenden Schienennetz.

Eisenbahnwesen im Griff der Minenkonjunktur
Im Grunde muss man die wenigen vorhandenen und die sehr vielen stillgelegten Strecken im Lichte der Konjunktur der Minenexploration sehen. Eisenbahnen wurden in Perú immer nur gebaut, um Erze und andere Güter zu transportieren und nicht Menschen. Weiterlesen

Quipu – die rätselhaften Knotenschnüre der Inka

Knoten auf uralten Schnüren? Ist das für ein Blog nicht doch etwas zu ab- und durchgedreht? Ja, kann sein. Pff. Andererseits stellt sich bei den vorkolumbianischen Kulturen Südamerikas wie die der Inka eine grundsätzliche Frage: Wie haben diese komplexen Gesellschaften sich eigentlich ohne Schrift organisiert? Inhärentes Problem: eben weil es sich um schriftlose Kulturen handelt, verfügen wir über keine textlichen Quellen aus dem Innenleben des Inka-Reiches, um exakt diese Frage zu beantworten. Keine Gesetze, keine Urkunden, keine mythologischen Geschichten, keine historischen Aufzeichnungen. Zu uns sprechen nur die Steine, deren Reliefs und was man sonst so an Überresten findet. Hier Inka-Objekte, die ich in einer Ausstellung in Berlin fotografiert habe.

Geschichten aus einer Kultur ohne Schrift
Es gibt also gar keine schriftlichen Quellen über die Inka-Kultur, deren Imperium sich fast 3.000 Kilometer die südamerikanische Pazifikküste entlang und über das westliche Andenhochland erstreckte? Nicht ganz. Erhalten sind eine ganze Reihe von Texten aus der Zeit nach der Eroberung, erstellt durch die spanischen Invasoren. Diese Leute haben beschrieben, was sie gesehen haben, sie haben sich von der einheimischen Bevölkerung Dinge erzählen lassen, sie haben Chroniken erstellt. Alles, was wir heute z.B. über die Königsgeschlechter der Inka wissen, über den hierarchischen Aufbau dieser Gesellschaften, erfahren wir aus diesen Quellen. Es handelt sich aber, ähnlich wie bei den römischen Quellen über die schriftlosen Germanen, um einen Blick von Außen, was bei einer kritischen Interpretation natürlich eine wesentliche Rolle spielt. Es gibt allerdings noch eine Hoffnung, mehr aus dem Innenleben des Inkareiches zu erfahren und die liegt in den Knotenschnüren, sozusagen den peruanischen Hieroglyphen: die Quipu, von denen man seit langem weiß, dass sie eine Art Datenspeicher der Inka darstellen.

Das Rätsel der Knotenschnüre – bis heute nicht final gelöst
Aber was bedeuten die Knoten wirklich? Handelt es sich um magisch-religöse aufgeladene Objekte, ähnlich der Fetisch-Kultur afrikanischer Gesellschaften? Oder wird darin sogar die Geschichte der Inka erzählt? Haben wir es also mit einer Knotensprache zu tun? Ganz genau weiß man das bis heute nicht. Solche Rätsel stacheln Forscher naturgemäß an und die Arbeit verschiedener Wissenschaftler hat in den letzten Jahren einiges an neuen Erkenntnissen gebracht. Zum aktuellen Forschungsstand ist letzte Woche ein aufschlussreicher Artikel in der peruanischen Tageszeitung El Comercio erschienen.

Ein paar Fakten zu den Quipu

    • Insgesamt sind 734 Quipu erhalten.
    • Die größte Sammlung – 350 Exemplare – befindet sich in Besitz des Ethnologischen Museums in Berlin-Dahlem.
    • Die allermeisten Quipu, die wir heute kennen, stammen nicht aus dem Andenhochland, sondern aus den trockenen Küstenregionen. Nur dort war das Klima geeignet, sie zu konservieren.
    • Ein Quipu hat zwischen einem und bis zu 1.500 Schnüren.
    • Es gibt drei verschiedene Arten von Knoten.

  • Die Schnüre waren die Basis für Rechenoperationen mit allen 4 Grundrechenarten. Gerechnet wurde mit einer Art Rechenbrett, dem Yupan. Man kann ein solches Rechenbrett links unten auf dieser zeitgenössischen Darstellung erkennen.
  • In den Städten und Dörfern wurden die Quipu von so genannten quipucamayoc gehütet. Deren Wissen um die Bedeutung der Knoten wurde mündlich tradiert.
  • Die Benutzung der Quipu wurde auf Beschluss des 3. Konzils von Lima (1582 bis 1585) verboten.
  • Offenbar hat aber selbst das spanische Vizekönigtum den Kirchenbann missachtet und die Quipu zumindest am Anfang zur eigenen Verwaltungspraxis herangezogen. Man übernahm eben einfach die vorhandenen Macht- und Organisationsstrukturen, bis man eigene etabliert hatte.

 

Neue Erkenntnisse belegen, dass die Schnüre noch bis ins 17. Jahrhundert hinein genutzt wurden, zuletzt sogar als Teil christlich-religiöser Praxis. Offenbar haben einige Pfarrer die Nutzung als eine Art persönliches Sündenregister propagiert. Die Nutzung nahm aber dramatisch ab, als die Alphabetisierung aufgrund des Aufbaus eines christlichen Schulsystems immer weiter um sich griff.

Quipu-Pojekt in Harvard
Eines der ambitioniertesten Projekte, die Bedeutung der Knotenschnüre zu entschlüsseln, ist das El Khipu Database Project an der US-Universität Harvard. Dort werden alle verfügbaren Daten über bekannte Fadenobjekte gesammelt. Aktuell kann man detaillierte Informationen über 600 Objekte online abrufen.

Hier zum Beispiel eine Analyse eines Quipu aus Chachapoyas. Man vermutet, dass hier eine Kalenderstruktur vorliegt.

Zwei Funde, die zusammenpassen?
Bei den Forschungen in Harvard hat man inzwischen ein Quipu identifiziert, das der Schlüssel für des Rätsels Lösung werden könnte. Denn man glaubt zwei korrespondierende Dokumente zusammenbringen zu können: eben dieses Quipu mit 132 Fäden sowie eine Urkunde aus der gleichen Region. In diesem Schriftstück sind die Daten von exakt 132 Familien dokumentiert, Informationen, die ein Quipucamayoc im 16. Jahrhundert aus einem Quipu vorgelesen hat. Seine mündlichen Überlieferung wurde wiederum von einem Übersetzer ins Spanische übertragen und von einem Schreiber aufgezeichnet. Noch ist man sich nicht ganz sicher, ob Quipu und Dokument wirklich zusammengehören, aber die Zahlengleichheit macht die Wissenschaftler optimistisch, daraus weitere Erkenntnisse abzuleiten.

Dokumentation des peruanischen Fernsehen über die Quipu

Ein Universitätsdozent erläutert sein Projekt eines digitalen Yupana.

Weitere Links
Artikel in deutscher Wikipedia über die Knotenschnüre

Chicha Morada: peruanischer Softdrink aus dunklem Mais mit Inka-Tradition

In Perú trinkt man wenig Cola oder Fanta. Der am meisten konsumierte, nicht-alkholische Softdrink nennt sich Chicha Morada und wird aus Mais hergestellt.

Der kommerzielle Erfolg anregender, nicht-alkoholischer Getränke, die ursprünglich aus fernen kulinarischen Kulturen kommen, wie zum Beispiel Club Mate oder Red Bull, haben es bewiesen: die globale Trinkkultur hat einiges an überraschenden Entdeckungen parat. Mit leicht europäisierter Rezeptur, sauberer Verabreitung und cleverem Marketing ist es durchaus möglich, neue Getränke als Softdrinks zu etablieren, die hierzulande niemand kennt, aber in anderen Ländern zum Alltag gehören.

Da macht es natürlich hellhörig, wenn man weiß, dass es in Perú einen sehr populären Softdrink für Jung und Alt gibt, den hierzulande niemand kennt. Das erfrischende Kaltgetränk ist von tief-violetter Färbung, nennt sich Chicha Morada und erfreut sich in Perú höchster Beliebtheit. Ein Grund dafür dürfte sein: die Chicha hat den entscheidenden Vorteil, dass es jeder selbst auf der Basis von violettem Mais herstellen kann.

Der Grundbestandteil der Chicha Morada ist violett gefärbter Mais, maís morado. Der wächst in den besonderen klimatischen Bedingungen der Andenhochtäler am besten, bzw. entwickelt er dort seine besonders intensive violette Färbung. Die Maiskolben werden zusammen mit Apfel- und Ananasstücken und Zugabe von Gewürzen wie Zimtstangen und Nelken ein-zwei Stunden gekocht, mit Zitronensaft und Zucker geschmacklich abgerundet und kalt gestellt. Das wars. Wer nach Kochrezepten auf YouTube sucht, wird schnell und massenhaft fündig.

Jede Eckkneipe, jede Familie, jede Region hat selbstverständlich ihr eigenes Rezept. Sagen wir es so: Chicha Morada ist für Perú ein Stück kulinarische Heimat. Und ursprünglich ist es selbstverständlich eine Kulturtechnik der Inka, wie alles, was in Perú mit Mais zu tun hat. Das stimmt natürlich auch in gewissem Maße, vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass die Chicha an sich, also ohne „morada“ DAS alkoholische Getränk ist, mit dem sich die Inka massiv in Stimmung brachten. Chicha versorgt seit Jahrhunderten den Andenraum mit trinkbarem Alkohol, der durch Fermentierung nach dem Kochen entsteht. Die Chicha Morada ist sozusagen die kleine süße Schwester der bösen, schwere Räusche erzeugenden Bruders Chicha.

Hier die Website des Herstellers von Chicha Limeña (dt Chicha aus Lima)

Chicha Morada wird in der Kneipe oder Zuhause in der Karaffe serviert.

don Cucho

Maiz Morado
Maiz Morado para la Chicha Morada