Das Werbevideo: Zu schön um wahr zu sein

Eigentlich handelt es sich um ein normales Werbevideo. Eine Zeitung soll verkauft werden. Doch irgendwas stimmt nicht an diesem Spot.

Beworben wird die neu gestaltete Sonntagsausgabe der zweitgrößten Tageszeitung des Landes: La Republica. Das Magazin-Supplement ist bekannt für seine meinungsbildenden Kolummnisten, gewagten Fotostrecken und innovativen Themen. Da Medien in Perú immer unter politischen Aspekten betrachtet werden sollten, übernehmen wir an dieser Stelle die Einschätzung der spanischen Wikipedia: centro izquierda moderado – gemäßigte linke Mitte. Vielleicht so eine Art Süddeutsche Zeitung.

Was zeigt das Video?

Zwei junge Leute. Sie sehen aus, wie… Spanier? Ich versuche es so übersetzen: dieses Paar verkörpert das Schönheitsideal der peruanischen Gesellschaft, bzw. deren Teil, den La Republica erreichen will. Was politisch gesehen eher nicht das konservative Bürgertum mit seinen oligarchischen Tendenzen ist. Der Spot richtet sich an die neue urbane Mittelschicht und denen, die dorthin aufsteigen wollen.

In dem Vorgang wird ein Widerspruch in der peruanischen Gesellschaft deutlich, den allerdings alle südamerikanischen Gesellschaften aufweisen. Denn der populäre, folkloristische Teil der gesellschaftlichen, sogar nationalen Identität wird gespeist aus vorkolonialen Traditionen. Man kann sogar von einer Wiederentdeckung dieser Wurzeln sprechen. Der bolivianische Präsident Evo Morales ist der bekannteste Protagonist, den diese Bewegung nach oben gespült hat. Selbst Sendero Luminoso hat mit derartigen Versatzstücken gespielt.

Diese Rückbesinnung bleibt aber oberflächlich, sie spiegelt sich nicht in der gesellschaftlichen Realität wieder. Dort herrschen andere Gesetze. Noch ist der (post)koloniale Rassismus, der die soziale Spaltung zementiert, innerhalb dieser Gesellschaften nicht überwunden. Der soziale Aufstieg ist vor allem deshalb schwer, weil der Staat schwach ist.

Was ich gar nicht zu deuten vermag ist das Fahrrad, mit dem der männliche Darsteller in drei Einstellungen hantiert. Ist Fahrrad grade Mode in Perú?

Toll auch diese Szenerie in neoklassizistischem Architekturensemble. Eben NICHT die modernen Glitzerpaläste aus Stahl und Glas. Präsentiert wird die leicht morbide Pracht untergegangener Großbürgerlichkeit.

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