Die vergessenen Minen des Diktators

25 Spezialisten, in der Mehrzahl aus Bosnien (!), sind an der chilenischen Grenze zu Perú eingetroffen, um dort Minen zu bergen? Diese Nachricht gestern hat uns neugierig gemacht. Wie kann es sein, dass es in Südamerika verminte Grenzen gibt? Erblast welchen Krieges sollte das sein?

Keine Kriege, aber auch kein Frieden
Sicher, es gab immer wieder Krieg zwischen den südamerikanischen Ländern, aber die letzten bewaffneten Auseinandersetzungen liegen doch schon eine Weil zurück: Der große Krieg um die Herrschaft über die Salpetervorkommen fand zwischen 1879 und 1883 statt.

Seitdem herrscht Ruhe, aber es ist ein mehr oder weniger angespannter Zustand. So richtig grün sind sich die Nationen nicht. Noch 2008 eskalierten die langwierigen Verhandlungen über die Meeresgrenzen, sodass Perú vor dem internationalen Gerichtshof der UNO eine Klage gegen Chile einreichte. Ende offen. Von europäischen Verhältnissen kann man in Südmaerika jedenfalls nicht sprechen.

Pinochets Erbe
Die erwähnten Minen hat Anfang der 70er der chilenische Diktator General Pinochet verlegen lassen. Pinochet fühlte sich auf Grund des gegen ihn und seine Putschregierung verhängten Waffenembargos geschwächt und entschied sich in seiner paranoiden Großmannssucht für eine minenbewehrte Verteidigungsstrategie. Insgesamt sollen 180.000 Antipersonenminen an den Grenzen zu Perú, Bolivien und Argentinien verlegt worden sein. So ganz genau ist das offenbar nicht mehr rekonstruierbar.

Minen werden angespült
Mit der Unterzeichnung des Abkommens von Ottawa, mit dem 2002 die Nutzung und Verbreitung von Antipersonenminen verboten wurde, kamen Verhandlungen zwischen den Staaten in Gang. Daraufhin wurden viele tausend Minen entfernt. Aber eben noch nicht alle. Immer wieder passieren Unfälle. Erst im Mai ging ein PKW von Schmugglern hoch, die trotz Warnschildern in ein Minenfeld hineingefahren waren.

Im Februar musste sogar Grenze zwischen Tacna (Perú) und Arica (Chile) geschlossen werden musste. Starke Regenfälle in den Anden hat Minen dort freigespült und bis in das pazifische Tiefland gespült. Daraufhin kamen die peruanische und die chilenische Regierung überein, ein erfahrenes Team der norwegischen NGO Peoples Aid herzubitten, dessen Chef bereits im Irak und Afghanistan Minenräumungen organisiert hat. Jetzt ist das Team in Chile eingetroffen und wird das gefährliche Erbe des Diktators entschärfen.

Das Bild hat mit den geschilderten Zusammenhängen nichts zu tun, es zeigt allerdings den chilenischen Präsidenten Piñera bei einem Besuch vor einer Woche in der betroffenen Region, 7 Kilometer von der peruanischen Grenze entfernt.

Sebastián Piñera en Arica

Quellen
Bericht aus ElPeru.com
Artikel über die Minen aus ElMostrador.cl
Artikel Radio Perú
Artikel in LaSegunda

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