Mototaxis: Öffentlicher Nahverkehr auf Peruanisch

Sie knattern durch die peruanischen Städte: Mototaxis. Es handelt sich dabei um dreirädrige Gefährte, die vorne aussehen wie ein Motorrad (ein Vorderrad, Lenker) und hinten einer überdachten Rikscha (zwei Räder, Sitzbank) ähneln. Mit Fahrer können maximal vier Personen damit befördert werden. Bei den Aufbauten finden sich unterschiedlichste Formen – von der quasi nur überdachten Freiluftversion bis hin zur vollverkaspelten, autoähnlichen Fahrgastzelle.

Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Phänomen durch eine Meldung aus der nordperuanischen Küstenstadt Chiclayo. Dort haben sich in den letzten Monaten 1.000 Mototaxistas, also die Lenker eines Mototaxis, einer Schulung unterzogen. Inhalt des eintägigen Kurses sind Verkehrssicherheit, Erste Hilfe, Regularien der Haftpflichtversicherung und allgemeine Tipps zur Qualitätsverbesserung des Dienstes. Insgesamt sollen in der Region 3.000 Fahrzeugführer diese Schulung mitmachen. In Anbetracht von 530.000 Einwohnern eine ziemlich große Zahl.

CHAOS! First impression of Perú

Wie aus diesem Dokument von 2011 hervorgeht, sind die Mototaxis in ganz Perú ein Massenphänomen. 900.000 dieser Transportfahrzeuge soll es im Land geben. Die Klagen über das Chaos, dass sie im Straßenverkehr verursachen, den Lärm und die Unfälle sind Legion.

Seit etwa 20 Jahren verbreiten sich die Vehikel in Perú. Ursprungsland ist, wenn wundert’s, Indien. Heute kommen 90 Prozent der Mototaxis aus China.

In dem Dokument werden noch weitere Probleme genannt, unter der die Branche zu leiden hat bzw, die sie verursacht.

  • Schlechte Straßen, vor allem außerhalb der großen Städte
  • Probleme mit Haltestellen in den Städten
  • Unfälle: die Gefährte sind in dem Sinne nicht als sicher zu bezeichnen. Eine weitere Studie über die Situation der Mototaxis in der Stadt Ica zitiert eine Polizeistatistik. Demnach sind an 43 % der Unfälle Mototaxis beteiligt. Zum Vergleich Autos: 40%.
  • Offenbar stellen die Fahrer ein beliebtes Ziel von Banditen dar. Vor Raubüberfällen scheinen die Fahrer mehr Angst zu haben als vor Unfällen.
  • Es handelt sich zumeist um informelle Wirtschaft mit allen Konsequenzen, die das hat: Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, Lohndrückerei usw.
  • Smog. Die Vehikel tragen einen großen Anteil zur Luftverschmutzung in den Großstädten bei.
  • Der technische Zustand ist bei vielen Fahrzeugen nicht zufriedenstellend.

Trotz allem: dieser doch problematische Teil des Öffentlichen Transports, der allerdings zu wesentlich geringeren Kosten realisiert wird als Autotaxen oder Busse, stellt einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung dar. In Ica zum Beispiel soll jeder 8. Einwohner direkt oder indirekt davon abhängen.

Mototaxis im Straßenverkehr

Hier ein Video eines Backpackers, der mit einem Mototaxi über die Anden gefahren ist.

Bericht über einen Wettbewerb mit Mototaxis, in dem man die verschiedenen Formen sieht.

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