Sprachpolitik Perú: zwei neue Sprachen anerkannt.

Das Andenhochland und das Amazonasgebiet waren jahrhundertelang für die peruanischen Zentren an der Pazifikküste finsterstes Hinterland. Katastrophale Infrastruktur, grassierender Analphabetismus, bittere Armut – dort war einfach nichts zu holen. Daran hat sich bis heute wenig bis gar nichts geändert, aber inzwischen wächst zumindest die Einsicht, dass es besser ist, die Bevölkerung in ihren traditionellen Kulturen zu stärken, statt sie in eine ihnen fremde Mehrheitskultur zu pressen. Ein Punkt dabei ist die bilinguale Schulbildung und die Anerkennung lokaler Sprachen. Jetzt sind zwei neue offiziell anerkannt worden…

Sharanahua
Die indigene Ethnie der Sharanahua lebt im peruanischen Amazonasgebiet, zu der aktuell etwa 500 Personen gerechnet werden. Für die Sprache dieser Menschen, die in der südwestlichen Provinz Ucayali an der Grenze zu Brasilien leben, wurde jetzt erstmals ein Alphabet entwickelt. Nun entstehen Lehrbücher, mit denen die 85 Schüler in zwei Schulen im Rahmen eines bilingualen Unterrichts unterrichtet werden. Das Alphabet des zur Sprachfamilie der Pano-Sprachen gehörenden Sharanahua umfasst folgende Buchstaben: a, b, ch, d, e, f, i, k, m, n, u, p, r, s, sh, x, t, ts, w, y.
Wie viele verschiedene Sprachen und Sprachfamilien es im peruanischen Amazonasgebiet existieren, darüber gibt diese sehr interessante Seite Auskunft: www.siamazonia.org.pe. Dort werden aktuell 43 verschiedene Sprachen und somit Ethnien detailliert dokumentiert. Es handelt sich um insgesamt etwa 230.000 Menschen.

Jaqaru
In den westlich von Lima liegenden Andendistrikten Tupe und Catahuasi wird von etwa 800 Sprechern die Amara-Sprache Jaqaru gesprochen. Diese ist jetzt in Kulturerbe der Region Lima aufgenommen worden. Damit ist sie offiziell als Zweitsprache anerkannt. Auch in diesem Fall werden jetzt Lehrmaterialien für den Schulunterricht in dieser Sprache entwickelt.

Sprachenpolitik: nicht perfekt, aber der spanische Bulldozer ist passe
Wenn man sich einmal die umfangreiche Website der staatlichen peruanischen Bildungsagentur DIGEIBIR (Direccion General de Educación Intercultural, Bilingüe y Rural) etwas näher anschaut, dann wird der Sinneswandel der peruanischen Behörden gegenüber den indigenen Sprachen mit den Händen greifbar. Bildung war und ist eine Sache der urbanen Zentren. Der ländliche Raum hingegen wurde wahrgenommen als Hinterland, wo nicht nur merkwürdige Sprachen gesprochen wurden, sondern der Analphabetismus grassierte. Bis heute sollen in den ländlichen Regionen Perús 20 Prozent der Menschen über 15 Jahre nicht lesen und schreiben können.

Die seit zwei Jahren amtierende Regierung des Präsidenten Humalla hat verschiedene Initiativen gestartet, die Situation in den Andenregionen und dem völlig vernachlässigten Amazonasraum zu verbessern. Sicher, die Mittel des peruanischen Staates sind beschränkt, es gibt eine Menge drängender Probleme auch in den urbanen Ballungsräumen, aber ein Anfang ist gemacht. Ein Anfang sind zweisprachige Schulen, die mit Programmen besonders gefördert werden. Hier lernen die Kinder neben dem für ihre Zukunft unverzichtbaren Spanisch nun eben auch lokale Sprachen. Dass eine solche Politik auch auf der Basis einer für europäische Politologen eher befremdlichen Ideologie eines Andino-Nationalismus entwickelt wurde, sei’s drum. Das Ergebnis zählt in diesem Fall.

Wie es um die Bedingungen des Schulunterrichts in den ländlichen Regionen bestellt ist, kann man nach Ansicht dieses Videos zumindest ungefähr erahnen. Der Bericht entstand Ende letzten Jahres in einem Dorf in den Anden Norden Perús. Dort leben Quechua-Sprecher.

Weiter lesen hier im Blog: Die indigenen Völker Perus

 

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